Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)

Die Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ist ein optimistischer, zukunftsorientierter, humanistischer, also auch demokratischer Bildungsansatz. Sie ist ein zukunftsfähiges Konzept, das für die Tragfähigkeit zukünftiger Gesellschaften entscheidend sein wird. Optimistisch ist sie, weil sie hoffnungsvoll in die Zukunft schaut und diese für gestaltbar und von Einzelnen beeinflussbar hält. Es ist wichtig was jeder einzelne Mensch für eine gemeinsame, menschenwürdige Zukunft tut. Sie will zusammen mit Menschen daran arbeiten, dass die Zukunft gestaltbar wird.

Humanistisch ist sie, weil ihr ein humanistisches Menschenbild zugrunde liegt. Sie geht davon aus, dass Menschen für das Gute geschaffen sind und dass Menschen glücklicher leben, wenn sie sich für Wachstum und positive Werte einsetzen [34]. BNE geht davon aus, dass alle Menschen fähig sind, die Gestaltungskompetenzen mit allen ihren Teilkompetenzen in ihrem Leben umzusetzen [35]. Alle Teilkompetenzen (nach de Haan, 2008) können auch als Operationalisierungen von Werten dieses humanistischen Menschenbildes gesehen werden.

 

Bildung für Nachhaltige Entwicklung ist ein auf humanistischen Werten basierendes Konzept, das didaktisch-methodische Haltungen und Handeln erforderlich macht. Die humanistische Grundhaltung macht Respekt vor jedem einzelnen Menschen, seien es Lernende, Lehrende oder außerhalb stehende Menschen, z.B. aus den Lernthemen, als Grundhaltung erforderlich. Auch die Liebe und Wertschätzung für die Natur und die Menschen, ebenso wie das Wissen um die Begrenztheiten der Welt beeinflussen die Didaktik. Als demokratisches Konzept steht Partizipation, also z.B. Teilhabe an Entscheidungen im Mittelpunkt. BNE umfasst Demokratie- und Friedenserziehung, ebenso wie Globales lernen und Umweltbildung. Daher ist BNE vor allem auch ein methodisch-didaktisches Konzept, das insbesondere eine bestimmte Haltung der Lehrenden voraussetzt.

 

BNE will Menschen bilden für die Umsetzung von Nachhaltigkeit (sustainability) im Geiste der UNCTAD-Versammlung von Rio de Janeiro (1992). Menschen sollen befähigt werden, nachhaltig zu leben. Die heutige Jugend soll fähig werden, die Zukunft zu gestalten. Sinn- und planvolles Handeln und Entscheiden in einer hoch komplexen und komplizierten globalisierten Welt muss gelernt und geübt werden, damit glückliches und zufriedenes Zusammenleben für alle möglich wird. Neue Lebens- und Gesellschaftsentwürfe müssen denkbar und ermöglicht werden.

 

Auf der praktischen Ebene der konkreten Lehr- und Lernprozesse kann es jedoch nicht sinnvoll sein, die Lernenden mit den feinsten und ausgereiftesten Konzepten zu „belästigen“ [36]. Es geht bei diesem methodischen Ansatz vor allem um die Förderung von Kompetenzen, Handlungsfähigkeit und Zukunftsorientierung bei Menschen aller Altersstufen. Sind die Kriterien für waldpädagogische Bildungsveranstaltungen im Sinne der Bildung für Nachhaltige Entwicklung (Kap.1.1.3) erfüllt, dann bestimmen diese ganz wesentlich auch die Unterrichtsformen.

 

 


[34] Sie Band I, Kapitel 4.8 Themenzentrierte Interaktion. Ruth Cohn ist, wie z.B. Carl Rogers, Watzlawik und andere eine Vertreterin der Humanistischen Psychologie, die dem selben Menschenbild verpflichtet sind. Vergleiche die ethischen Grundlagen Kapitel 4.8.1

[35] Diese Annahme ist nicht selbstverständlich, denn z.B. zukunftsorientiertes Denken oder Empathie oder eigene und fremde Leitbilder zu reflektieren ist nicht für alle Menschen gleichermaßen möglich.

[36] So wie es beim Lehren nicht darum gehen kann, den Kindern zu vermitteln was z.B. Festingers Dissonanztheorie oder Heckhausens Theorie der Leistungsmotivation über die Stellung von Aufgaben mittleren Schwierigkeitsgraden aussagt oder welche hirnphysiologischen Begründungen wir dafür haben, dass es sinnvoll sein kann Balancierübungen oder Fangespiele zu machen. Es geht ausschließlich darum angemessene Aufgabenstellungen zu wählen, die geeignet sind die gesteckten Ziele zu erreichen. Auch geht es darum Methoden zu wählen, die den Beteiligten genügend Spaß und Freude bereiten, um sich auf diesen Lernweg zu begeben. Derartige Konzepte helfen Lehrenden für die Praxis. So will die BNE Theoriekonzepte für die Praxis und den dort notwendigen Aufgabenstellungen verfügbar machen.