Die 5 Dimensionen einer Nachhaltigen Entwicklung und entsprechende Bildungsansätze

  Integration Permanenz Gerechtigkeit Subjektivität Dependenz
Beispiele für Themen Forstlicher Nutzungsdreiklan, Lebensraum Wald, Naturnahe Waldwirtschaft, Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion Alter der Bäume und der Wälder, Wirtschaftszeit­räume, Boden und Bodenbildung Übernutzung, Tropenwälder - Tropenholznutzung, Klima – Klimaveränderungen, Männer -Frauen, Gender Mein Bezug zu Holz, was mir Wälder/ Bäume bedeuten Biologisches Gleichgewicht, Räuber-Beute-Beziehung, Holz eine nachwachsende Ressource
Beispiele für Bildungs­inhalte Funktionen des Waldes: Schutz- = Ökologie Zeit erleben: Generationen-
gerechtigkeit: heute pflanzen - Enkel ernten, Internationale Gerechtigkeit – alle Wälder als CO2-Senke - nicht nur in Tropen, Klimaveränderung: Inseln versinken
sinnliche Wahrnehmung Holzverwendung

Beispiele für Wald-
pädagogische Aktivitäten

Bäume des Waldes; Leben in der Baumrinde (Ökol.), Jahresringe zählen, Generationeng. – Z-Bäume und Bedränger, Bäume pflanzen Vom Baum zum Vesperbrett, Wald mit allen Sinnen Feuer machen

Nachhaltige Entwicklung

Die „Erfindung“ der forstlichen der Nachhaltigkeit [19] war in der europäischen Neuzeit ein großartiger, zivilisatorischer Fortschritt. Neu ist, dass das moderne Konzept der Sustainability spätestens seit dem Bundtland-Bericht [20] sehr viel weiter gefasst werden muss als die ursprünglichen forstlichen Konzepte. Insbesondere die Dimensionen der Gerechtigkeit und der Subjektivität sind europäischen Forstleuten meist fremd.


Andere moderne Gesellschaften, wie z.B. in Ostafrika [21] haben aus ihrer Tradition Konzepte der Nachhaltigkeit entwickelt, die mit dem internationalen Konzept (z.B. der UN-Dekade) zentrale Schnittmengen aufweisen.


Nachhaltigkeit ist in der Waldpädagogik ein ganz besonderes Anliegen. Obwohl der Begriff allen Forstleuten aus ihrem Arbeitsfeld vermeintlich vertraut ist, muss mit neuen Dimensionen angereichert werden.


Forstleute empfinden sich als „Erfinder der Nachhaltigkeit“. Dies mag für die moderne Forstwirtschaft und Europa gelten. Geht man allerdings zu Naturvölkern, z.B. zu indigenen Völkern Amazoniens, so ist rasch festzustellen, dass das heutige Konzept sehr viel älter ist. Seit „Menschengedenken“ leben diese Völker in Frieden und Eintracht mit der Natur. Es ist ihnen selbstverständlich, dass die Natur geschont werden muss, weil heute lebende und zukünftige Generation diese brauchen. Die Natur ist ihnen heilig. Sie wird verehrt und daher schonend nur nach aktuellen Bedürfnissen genutzt. Selbst Handel treibenden Völkern ist das europäische „immer mehr, immer größer“ unbekannt. Moderne Menschen in modernen Zivilisationen haben es viel zu oft verlernt, in Frieden mit der Natur zu leben. Der Schamane Galsan Tschinag [22] (Quarch, 2009, S.71) vertritt eine nomadische Philosophie der Einheit im Gegensatz zu dem schubladisierten Universum der Westler. In deren Geist ist Einheit und er meint, dass die Menschheit in diesem Bewusstsein von Einheit sehr viel besser leben würde. Die Philosophie der modernen Nachhaltigkeit (sustainability) versucht ein Stück dieser Einheit zurückzuholen. Inter- und transdisziplinäres Denken und Handeln will diese Schubladisierung punktuell aufheben und sieht in wahrem nachhaltigem Handeln zukunftsfähige Strategien.

Dimensionen

Zum Verständnis der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ist die Übersichtsdarstellung der fünf Dimensionen der Nachhaltigkeit (Walter, 2002) hilfreich. Diese Dimensionen geben einen umfassenden Eindruck über die Vielfalt, Tiefe und Breite des Konzeptes und stellen somit eine wertvolle Grundlage für diesen Bildungsansatz (Band I, Kap 3.1). Alle drei Dimensionen sind sehr eng miteinander verwoben und sind eigentlich nur aus analytischen Gründen trennbar.

Integration

Die wohl häufigste Definition der Nachhaltigkeit beinhaltet die drei Bereiche Ökologie, Ökonomie und Soziales [23], die integriert betrachtet und miteinander verknüpft werden. Man geht davon aus, dass die weltweiten Gegenwarts- und Zukunftsprobleme in den einzelnen Bereichen – beispielsweise Energiekrise, Klimawandel, Entwicklungskrise – nur durch einen integrativen und umfassenden Ansatz gelöst werden können. Wenn gerade aus der Wirtschaft immer wieder zu hören ist, dass alle drei Dimensionen ausschließlich von der Ökonomie abhängen, diese also ganz oben bewertet werden muss, dann ist das ein bedauerlicher Irrtum. Das ist ja gerade die Schwierigkeit, dass alle drei Bereiche gleichwertig ein bezogen werden müssen. Die Ökonomie muss sich dem Diktat der Ökologie und dem des Sozialen unterwerfen [24], wie die anderen beiden von der Ökonomie bestimmt werden. Denn diese Bereiche sind als von einander abhängig, als zusammengehörig und gleichwertig zu betrachten.


Diese Gleichwertigkeit ist natürlich auch in der Waldpädagogik nicht immer idealtypisch umsetzbar. Aus didaktisch-methodischen Gründen muss über eine der Ecken des „Gleichseitigen Dreiecks“ eingestiegen werden, um auf diesem Wege auch die anderen zu erreichen. Trotzdem bleibt der Anspruch, dass keiner der drei Bereiche den anderen übergeordnet sei. Gerade das ständige Ringen um die Balance ist das Thema der Bildung für nachhaltige Entwicklung [25].


Die Waldpädagogik bewegt sich stark im Bereich Ökologie – bleibt sie nur dort, so ist sie klassische Umweltbildung. Geht sie nur ins Globale, so bleibt sie Globales Lernen oder auf Ökonomie zentriert bleibt sie Wirtschaftspädagogik. Wesentlich ist jedoch der Versuch einer Zusammenschau aller drei Bereiche. Der Anspruch der Bildung für Nachhaltige Entwicklung ist, auch die anderen „Ecken des Dreieckes“ aufzusuchen und Zusammenhänge zwischen diesen Feldern zu thematisieren.


Der Bereich Ökonomie, ohne Zweifel sehr wichtig, ist bei Forstleuten in aller Regel ausgeprägt, so dass diese Inhalte durchaus auch waldpädagogisch angegangen werden können. Trotzdem sind waldpädagogische Programme mit dem Schwerpunkt Ökonomie eher selten. Programme, wie „Waldwertberechnung“ (Band II, Kap. 3.5) enthalten deutliche forstökonomische Fragestellungen. Die Waldpädagogik kann sozusagen eine Vermittlerrolle spielen, denn sie ist aus der sozialen und ökologischen Verantwortung der Forstwirtschaft entstanden. Forstwirtschaft muss immer wieder soziale Fragestellungen aufwerfen, denn sie ist ja auch der Erholungsfunktion verpflichtet. Seltener werden in der Waldpädagogik Gerechtigkeitsfragen thematisiert. Die Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern, den Generationen und den Völkern der Welt, immer wieder einzubeziehen ist zweifellos eine besondere Aufgabe einer Waldpädagogik, die sich als BNE versteht.

Permanenz

Wenn Menschen den Begriff Nachhaltigkeit landläufig verwenden, dann meinen sie eigentlich immer etwas von Dauer. Es gibt im öffentlichen Leben viele, auch bedeutsame Menschen, die dieses Wort häufig verwenden [26]. Stets ist etwas wie bleibend oder dauerhaft gemeint und genau diese Dauerhaftigkeit meint die Dimension der Permanenz. Nachhaltigkeit hat damit einen Zeitaspekt. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind untrennbar miteinander verbunden und gehen kontinuierlich in einander über. Insbesondere die Zukunft bekommt hohen Stellenwert, denn stets gilt es Vergangenheit und Gegenwart zu reflektieren, für eine lebenswerte Zukunft. Daher sprechen andere eher von Zukunftsfähigkeit (Brot für die Welt, Misereor, eed, BUND, 1996 und 2008 [27]). Das heißt, es geht bei BNE immer um die Bedürfnisse der heutigen, wie auch der zukünftigen Generationen und somit um den langfristigen Fortbestand der Menschheit. Hier schließt direkt die Frage nach Generationengerechtigkeit an. Natürlich geht es auch um die Vergangenheit, denn auch diese beeinflusst stets die Gegenwart und die Zukunft. Geschichtsloses Handeln ist kopf- und herzloses Tun. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gehören kontinuierlich zusammen und sind daher auch in Bildungsprozessen von Bedeutung. Bildenden Wert hat gegenwärtiges Handeln im Bewusstsein der Vergangenheit für die Gegenwart und für, zumindest nie gegen die Zukunft.

Gerechtigkeit

Der Brundtland-Report (1987) definiert Nachhaltigkeit als eine Entwicklung, „die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen.“ [28] Damit wurde die Generationengerechtigkeit ins Zentrum gestellt. Die Dimension Gerechtigkeit umfasst jedoch mindestens drei Aspekte: Generationen-Gerechtigkeit, globale Gerechtigkeit und die Geschlechter-Gerechtigkeit. Dieser Report beeinflusste die internationale Debatte über Entwicklungs- und Umweltpolitik maßgeblich und gab den Hauptausschlag für die Umweltkonferenz und deren Erklärungen in Rio (1992). Dieser Generationenbegriff bezieht also auch die globale Dimension ein. Bislang standen die ersten beiden Aspekte im Vordergrund, jedoch sind auch die Fragen nach der Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern (Gender-mainstreaming [29]) von enormer Bedeutung.


Gerechtigkeitsfragen beeinflussen alle Faktoren im Nachhaltigkeitsdreieck. An diesen Fragen werden sich alle gegenwärtigen und zukünftigen Probleme der Menschheit entscheiden. Damit ist sie auch für den Bildungsanspruch der BNE von zentraler Bedeutung. Menschen, insbesondere die junge müssen sich mit Verteilungs- und Zukunftschancen auseinandersetzen. Jugendliche auf der Suche nach Ausbildungsstellen werden konfrontiert mit Ausbildungsplatzmangel, Abwanderung von Arbeitsplätzen in andere Länder oder mit den Fragen um Frauen- und Männerberufe. Bereits in der schulischen Laufbahn stellen sich vom Zugang zu Bildungseinrichtungen bis zu den Bewertungen permanent Fragen der Gerechtigkeit.


Subjektiv wir Ungerechtigkeit stets als besonders schlimm erlebt. Jeder hat schon Ungerechtigkeiten erlitten und wehrt sich dagegen. Daher ist diese Dimension besonders nahe an den Menschen und es lohnt sich diese durchaus auch existentiellen Fragen zu thematisieren [30].

Subjektivität

Nachhaltige Entwicklung ist nicht nur eine Aufgabe für wenige Politiker oder Unternehmen aus der Wirtschaft. Sie ist vielmehr davon abhängig, dass jeder einzelne Mensch individuelle Verantwortung übernimmt und damit ist auch jeder Einzelne zur Mitgestaltung aufgerufen. Schmidheiny (1992) hat es trefflich formuliert: ”Letztlich ist eine nachhaltige Entwicklung das Ergebnis unendlich vieler Entscheidungen, die Milliarden von Individuen tagtäglich treffen. Es wird sich etwas ändern, wenn die Menschen sich dafür einsetzen.“[31]


Dieses Grundprinzip ist die Grundlage der „Lokalen Agenda 21“, die auch ein Ergebnis des Erdgipfels 1992 in Rio ist. In der Waldpädagogik ist diese Dimension vor allem methodisch bedeutsam. Im Wald ist jeder einzelne Mensch angesprochen. Waldpädagogik will möglichst vielen Menschen „Wald erleben mit allen Sinnen“ ermöglichen. Waldpädagogik will Menschen subjektiv positiv emotional getönte Erlebnisse ermöglichen und die Menschen stärken.


Mit dem Grundsatz nach Pestalozzi „Lernen mit Kopf, Herz und Hand“ (Band I, Kap. 4.7) richtet sich die Waldpädagogik an jeden einzelnen Menschen und will auch über Gefühle und subjektive Empfindungen einzelne Menschen ansprechen. Aus dieser Subjektivität ergeben sich auch Gruppenprozesse. Menschen erleben den Wald, begegnen sich selbst und anderen Menschen im Wald und eignen sich in Kooperation Themen an – das will Waldpädagogik (Band I, Kap. 4.8).

Dependenz

Heute leben viele Menschen „neben“ der Natur in einer zivilisierten Kulturwelt. Natur wird als wild und ungestüm erlebt – wenn man ihr begegnet. Naturkatastrophen werden selten erlebt und obwohl nur über die Medien vermittelt, wirken diese sehr tief. Viele Menschen lieben die Natur, oft wie etwas Fremdes, Äußeres, das wenig mit ihnen selbst zu tun hat. Jedoch auch Menschen sind selbst Natur und Teil der Natur. Andererseits brauchen sie die Natur als Lebensgrundlage, denn alles was sie nutzen und genießen ist Natur oder hat diese als Voraussetzung [32]. Entfremdung von der Natur bedeutet auch Entfremdung von sich selbst und vom eigenen Körper.


Menschen müssen sich den Notwendigkeiten der natürlichen Begrenztheiten, den Naturkapazitäten unterordnen und anpassen. Maßlose Erwartungen an Zivilisation und Technik werden immer wieder durch Begrenzungen korrigiert. Die Natur schlägt zurück (z.B. Katastrophen [33]) und sie macht sich rar (z.B. Ressourcenknappheit). Nachwachsende Ressourcen und erneuerbare Energien könnten Menschen etwas unabhängiger machen von der Endlichkeit fossiler und mineralischer Rohstoffe. Diese Forderungen sind alt und bis heute nicht ausreichend umgesetzte. Und dies obwohl Grenzen, die beispielsweise durch Naturgewalten und die Endlichkeit der Ressourcen den Menschen immer wieder aufgezeigt werden. Allerdings zeigt „die Geschichte, dass die Menschheit in der Lage ist, knappe Ressourcen zu substituieren, erneuerbare zu fördern und die Effizienz ihrer Verwendung immer weiter zu verbessern“ (Schmidheiny, 1992). Die Dependenz, also die Abhängigkeit des Menschen von der Natur ist ein zentrales Thema der Waldpädagogik. Versteht sie sich als Bildung für nachhaltige Entwicklung, dann eröffnet die Dimension Dependenz der Waldpädagogik spannende Fragen und Möglichkeiten gemeinsam nach Antworten zu suchen.

 

 


[19] Dieser ursprüngliche Wortsinn wurzelt im forstwirtschaftlichen Nachhaltigkeitsdenken. Erstmals wurde die Grundidee 1560 in der kursächsischen Forstordnung formuliert, Grund war der hohe Bedarf an Holz für die Bergwerksverbauungen: ".....daß den Untertanen und Bergwerken, soviel möglichen und die Gehölze ertragen können, eine währende Hilfe, auch eine unseren Ämtern eine vor und vor bleibende und beharrliche Nutzung bleiben möge." Der Begriff Nachhaltigkeit selbst wird auf eine Publikation (Sylvicultura oeconomica, oder haußwirthliche Nachricht und Naturmäßige Anweisung zur wilden Baum-Zucht von Hans Carl von Carlowitz, 1713) zurückgeführt. Er schreibt von der „nachhaltenden Nutzung“ der Wälder, ohne aber weiter auszuführen, wie sie zu erreichen sei. Hermann Friedrich von Göchhausen griff den Begriff 1732 auf. In seiner Anweisung zur Taxation und Beschreibung der Forstbestände von 1795 hat Georg Ludwig Hartig dann ausformuliert, was Nachhaltigkeit bedeutet, auch wenn er den Begriff nicht verwendet. „Nachhaltigkeit“ bezeichnet also zunächst die Bewirtschaftungsweise eines Waldes, bei welcher immer nur so viel Holz entnommen wird, wie nachwachsen kann, so dass der Wald nie zur Gänze abgeholzt wird, sondern sich immer wieder regenerieren kann. Der Begriff wurde schließlich als sustained yield ins Englisch übertragen und fand Eingang in die internationale Forstwissenschaft. Im erweiterten Sinn eines „Zustands des globalen Gleichgewichts“ taucht der Begriff sustainable 1972 im Bericht Die Grenzen des Wachstums an den Club of Rome erstmals an prominenter Stelle auf. (Wikipedia, Februar 2009)

[20] Das Konzept der Nachhaltigen Entwicklung definierte die Brundtland-Kommission in ihrem Bericht auf zwei Arten: 1. "Dauerhafte Entwicklung ist Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können." Diese Definition der Generationengerechtigkeit ist Bestandteil aller danach vereinbarten Internationalen Umweltabkommen. 2. "Im wesentlichen ist dauerhafte Entwicklung ein Wandlungsprozess, in dem die Nutzung von Ressourcen, das Ziel von Investitionen, die Richtung technologischer Entwicklung und institutioneller Wandel miteinander harmonieren und das derzeitige und künftige Potential vergrößern, menschliche Bedürfnisse und Wünsche zu erfüllen." Diese Definition wird seltener zitiert. Sie beinhaltet die Forderung einer ganzheitlichen Verhaltensänderung, die deshalb politisch weniger Anerkennung findet. (Wikipedia, 2009)

[21] In ihrer Autobiografie beschreibt die Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai (2004) ein ostafrikanisches Nachhaltigkeitskonzept. Nachhaltigkeit ist wie ein afrikanischer Schemel mit drei Beinen und einer Sitzfläche. „Das erste Bein steht für demokratische Freiheit, die alle Rechte respektiert, ob allgemeine Menschenrechte oder die der Frauen, der Kinder, der Umwelt. Das zweite Bein symbolisiert nachhaltigen und gerechten Umgang mit Ressourcen und das dritte Bein eine Kultur des Friedens, die innerhalb von Gemeinschaften und Nationen bewusst gefördert wird.“ (Maathai, 2008, S.373). Auf den ersten Blick ist das „Nachhaltigkeit“ und trotzdem wird schnell klar, dass sie für ihre Staaten und Kulturen andere Schwerpunkte sucht. Die ökonomische Dimension wird nicht extra benannt, sondern erscheint den anderen Bereichen untergeordnet. Die soziale Dimension ist so wichtig, dass die politische der Menschenrechte und die Kultur des Friedens eigene stabile Stützen sind. Nachhaltigkeitskonzepte sind situations- und kulturabhängig – trotz großer Übereinstimmung. Gemeinsam sind allen Ansätzen die Permanenz und die Integration, also neben der Dauerhaftigkeit auch der enge Zusammenhang und die direkte Abhängigkeit aller Dimensionen.

[22] Der Schamane Galsan Tschinag (Quarch, 2009, S.71) antwortete in diesem Interview „... Eine gute Philosophie wäre eine Philosophie der Einheit. Aber der europäische Geist hat über Jahrtausende alles zertrennt, zerteilt und zerschnitten: in kleine Scheibchen, die in die selbst gebauten Schubladen passen. Das ganze Universum habt ihr Westler schubladisiert. Da ticken wir mit unserer nomadischen Philosophie anders. Wir sind gierig nach Brüdern und Schwestern. Wir nehmen alles hin. In unseren Geist passt alles hinein, in ihm gehört alles zusammen. In ihm ist Einheit. Würden wir alle dieses Bewusstsein von Einheit ausprägen, würden wir als Menschheit sehr viel besser leben.“

[23] Spannend ist, dass diese „Trinität“ der UN-Dekade keineswegs von allen Autoren so akzeptiert wird. Das Nachhaltigkeitsdreieck wird abgewandelt z.B. unter Betonung des Kulturellen zu einem Quadrat (Stoltenberg, 2006) oder zu einem Pentagramm, wenn Globales einbezogen (TUI, 2008) wird (nach Dobler&Vogl, 2008). Sigrid Schell-Straub (epiz, Reutlingen) spricht von einem Polygon, denn es werden – je nach Bedarf – auch Demokratie, Menschenrechte usw. einbezogen. Die Vorstellungen und Konzepte sind vielfältig und haben viele Seiten, wie ein Polygon. Andere vergleichen die Nachhaltigkeit mit einem „Zauberwürfel“ mit vielfältigen Untereinheiten in vielfältigen Kombinationsmöglichkeiten (J.Beule, KM, 2009)

[24] Wenn Manuel Barroso (EU- Kommissar) einmal - sinngemäß zitiert - formuliert hat: „Wenn ich drei Kinder habe und eines davon krank ist, dann ist es doch klar, dass ich vor allem für dieses kranke Kind sorgen muss. So ist es mit der Ökonomie und der Nachhaltigkeit. Krankt die Wirtschaft, so braucht sie besondere Fürsorge.“ Von Managern und Gewerkschaftlern sind ähnliche Sätze zu hören, die das Primat der Wirtschaft fordern. Dies zeigt, wie selbst höchste Politiker nicht verstanden haben, was Nachhaltigkeit wirklich bedeutet, denn krank ist ja nicht die Wirtschaft. Die Welt krankt daran, dass wir nicht in der Lage sind, alle diese Lebensbereiche zusammen zu denken und unfähig sind zu konsequent nachhaltigem Handeln.

[25] Beim Verständnis und in der Umsetzung hilft das Prinzip der „Dynamischen Balance“ aus der TZI (Handbuch Bd.I, Kap.4.8.4).

[26] ... und damit sehr strapazieren. Bedauerlicherweise zeigen sie so auch, dass sie das Konzept nur marginal verstanden haben, denn sie vernachlässigen die anderen Dimensionen. Gerade für die von Nachhaltigkeit redenden Politiker wäre es besonders wichtig alle drei Bereiche zusammen zu denken. Andere reden daher schon von einem „Gummibegriff“, der unendlich ausdehnbar erscheint. Der Begriff „nachhaltig“ sollte nur verwendet werden, wenn er im Sinne der UN-Dekade gemeint ist.

[27] „Zukunftsfähiges Deutschland“ steht für zwei Studien zur Nachhaltigkeit in Deutschland. Die Studie „Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt“ wurde im Oktober 2008 veröffentlicht. Sie ist die Nachfolgestudie zu der im Jahr 1996 erschienenen Studie „Zukunftsfähiges Deutschland – Ein Beitrag zu einer global nachhaltigen Entwicklung“ (1996), die den Beginn des deutschen Nachhaltigkeitsdiskurses entscheidend prägte und als dessen „Grüne Bibel“ einging.

[28]Hermann Lietz (1868 - 1919) Reformpädagoge, gründete nach englischem Vorbild in Ilsenburg das erste deutsche Landerziehungsheim. Spätere Gründungen waren Biberstein und Haubinda, wo er dann auch starb. Die Lietz-Schulen waren ein wichtiger Ursprung der Landerziehungsheime. Hermann Wynneken (formulierte die Theorie) und Paul Geheeb (Gründer der Odenwaldschule) waren Lehrer bei Lietz in Haubinda und gründeten gemeinsam die freie Schulgemeinde Wickersdorf.

[29]Der Begriff Gender Mainstreaming („Etablieren der Perspektiven sozialer Geschlechter“, „geschlechtersensible Folgenabschätzung“, „Integration der Gleichstellungsperspektive“, „durchgängige Gleichstellungsorientierung“) bezeichnet den Versuch, die Gleichstellung der Geschlechter auf allen gesellschaftlichen Ebenen durchzusetzen. Der Begriff wurde erstmalig 1984 auf der 3. UN-Weltfrauenkonferenz in Nairobi diskutiert und später auf der 4. Weltfrauenkonferenz in Peking propagiert. Bekannt wurde Gender Mainstreaming insbesondere dadurch, dass der Amsterdamer Vertrag 1997/1999 das Konzept zum offiziellen Ziel der Gleichstellungspolitik der Europäischen Union machte. Gender unterscheidet sich von expliziter Frauenpolitik dadurch, dass „beide“ Geschlechter gleichermaßen in die Konzeptgestaltung einbezogen werden. Gender (engl. „soziales Geschlecht“) bezeichnet gesellschaftlich, sozial und kulturell geprägte Geschlechterrollen Diese sind – anders als das biologische Geschlecht – erlernt und damit auch veränderbar. Mainstreaming (engl. „zum Hauptstrom machen“) bedeutet, dass eine bestimmte inhaltliche Vorgabe, die bisher nicht das Handeln bestimmt hat, nun zum zentralen Bestandteil bei allen Entscheidungen und Prozessen gemacht wird. So lässt sich aus gender mainstreaming die deutsche Übersetzung „Integration der Gleichstellungsperspektive“ oder „durchgängige Gleichstellungsorientierung“ herleiten. (Wikipedia, Februar 2009)

[30] Epochaltypische Schlüsselprobleme nach W. Klafki (Band I, S.22)

[31] Ein brasilianisches Sprichwort sagt: „Wenn viele kleine Menschen an vielen Orten der Erde viele kleine Schritte tun, so kann das die ganze Welt verändern“. Ein anderes, ebenfalls aus Brasilien sagt: „Wenn ein Mensch träumt, so ist das ein Traum. Träumen viele Menschen gemeinsam, so kann das die Welt verändern.“ – auch dieses zeigt die Dimension der Subjektivität in der Bildung für Nachhaltige Entwicklung.

[32] Menschen atmen den Sauerstoff der aus der Fotosynthese grüner Pflanzen kommt. Sie essen Produkte, die – trotz aller Künstlichkeit – aus Pflanzen und Tieren hergestellt wurden. Sie kleiden sich mit (veränderten) Naturfasern und selbst Kunstfasern stammen aus Erdöl, fossile Natur. Autos sind aus Stahl und Erdöl – also aus natürlichen Rohstoffen usw.

[33] Sogenannte Naturkatastrophen sind für die Natur meist normal, nur die Menschen, die sie teilweise verursachen (z.B. Waldbrände, Erdrutsche) oder deren Wirkung verstärken (z.B. Erdbeben, Überschwemmungen) erleben diese katastrophal: Februar 2009 brennt Südaustralien. Menschen haben Feuer gelegt. Jeden Sommer brennt es im Mittelmeerraum und Kalifornien, weil die Menschen unvernünftig aufforsten und Brandherde verursachen. Kiefernwälder brennen natürlicherweise von Zeit zu Zeit und sind daran angepasst. Erdbeben sind in Zonen, wo Kontinentalplatten aneinander stoßen natürlich. Menschen, die dort bauen riskieren Schäden. Überschwemmungen in Gebieten abgeholzter Auwälder müssen sich katastrophal auswirken, denn diese Wälder boten Schutz. Die Klimaveränderungen machen bereits heute Inseln wie die Carteret-Atolle/Papua Neuguinea unbewohnbar