Blinde , Kinder und Minister – Freiwilligenarbeit im Haus des Waldes

(Vorsicht! Ein Hauch von Ironie ist auch dabei)

Welcher FÖJler kennt das nicht:
Viele Menschen haben eine recht eintönige Vorstellung von der Arbeit in einem FÖJ (Freiwilliges Ökologisches Jahr): „Junge Wilde mit alternativem Lebensstil pflanzen Bäume und versuchen nebenher die Welt zu retten.“ Nicht ausgeschlossen, dass es so etwas geben kann, doch die Realität ist deutlich … realistischer. Im Laufe meines Freiwilligenjahres haben meine „Kommilitonen“ aus den anderen FÖJ-Gruppen und ich feststellen können, was das FÖJ an unglaublicher Vielfalt zu bieten hat und wie enorm weitreichend und komplex es ist.


Seit Anfang September bin ich im Haus des Waldes als FÖJler tätig. Und wie das eben so üblich ist, fühlt man sich in der ersten Zeit, wie ins kalte Wasser geworfen. Während in der Schule ein klarer Stundenplan und Klausurentermine den Alltag strukturieren, geschehen hier im Umweltbildungszentrum viele Dinge gleichzeitig. Den Überblick behalten, planen und trotzdem flexibel sein, ist hier das A und O. Trotzdem herrscht im Team von ca. 12 Personen fast immer eine gute und lockere Stimmung.

Das Haus des Waldes ist ziemlich facettenreich: Waldprogramme mit Kindergärten, Schulklassen oder Behindertengruppen, ein Kindergeburtstag in der großen Werkstatt, Fortbildungen zum zertifizierten Waldpädagogen sind nur einige wenige Dinge, die den Alltag schmücken. Ob Oberbürgermeister, Minister oder Ministerpräsident, sie alle kommen beim Thema Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) und Waldpädagogik nicht am Haus des Waldes vorbei. So ist die öffentliche Bildungseinrichtung auch einmal Schauplatz für hochkarätige Besuche und Veranstaltungen.

 

Die große Ausstellung vermittelt auf interaktive und anschauliche Weise den Bildungsauftrag ohne dabei „den Zeigefinger zu heben“. Die Hauptzielgruppen sind Kinder und Schüler, daher ist die Pflege der Ausstellung und des Innenhofes wichtig und geht auch in den Aufgabenbereich eines Freiwilligendienstleisters.
Der Arbeitsalltag eines FÖJlers kann wie folgt aussehen:

  • Du kommst morgens um 8.00 Uhr ins Büro und bereitest mit einer Kollegin oder einem Kollegen ein Waldprogramm vor und verbringst den Tag im Wald, im Seminarraum oder beides.
  • Du kommst morgens um 8.00 Uhr ins Büro, richtest das Café her, fährst die große Ausstellung hoch und hast in dieser Woche Infothekendienst.
  • Du hast verschlafen und sagst lieber frühzeitig Bescheid, dass du noch nachkommst

In der Regel sagt dir dein knurrender Magen (oder der eines Kollegen oder einer Kollegin), wenn es um 12 Uhr Zeit für Mittag ist. Mit fast der gesamten Mannschaft wird dann zusammen gegessen.

 

Das Haus des Waldes legt dir nicht täglich eine „to-do-Liste“ auf deinen Schreibtisch. Du kannst Sachen selbst angehen, bei anderen mithelfen, mitgestalten. Das Team lässt dir maximalen Freiraum für deine kreativen Ideen. Sei es ein Beitrag in einem Waldprogramm oder in einer neuen Ausstellung oder bei der Gestaltung des Geländes. Solange deine Projekte mit dem Team besprochen und abgestimmt sind, steht diesen eigentlich nichts im Wege.

Lennart Haas, FÖJ 2013/14